24 Frauenklöster

unter der Betreuung des Klosters Kamp

In der folgenden Zusammenstellung werden die Zisterzienserinnen-Klöster in Kurzform dargestellt, die nach dem Historiographen Mathias Dicks („Die Abtei Camp am Niederrhein, 1913, Steiger Verlag, Moers“) unter der geistlichen Betreuung durch das Kloster Kamp (heute Kamp-Lintfort) standen bzw. diesem Kloster „unterworfen“ waren (Bild: Lageplan).

Wegen der großräumigen Verteilung dieser Frauenklöster im rheinisch-westfälischen Raum sowie in den Niederlanden war es bisher nicht umfassend möglich, örtliche Kontakte zu erreichen, die Lokalitäten aufzusuchen oder die Literatur vollständig zu sichten.

 

Ergänzungen, Hinweise oder Kontakte sind erwünscht. Bitte richten Sie diese an den Verein der Freunde und Förderer des Klosters Saarn e.V. in Mülheim a.d. Ruhr.

 

Die zur Kamper-Klosterfamilie zählenden Klöster sind unter Berücksichtigung einer bis 1485 reichenden Zusammenstellung (Stammbaum St. I - Anhang zur Kamper Chronik) in einem Oelgemälde von 1728 als Kamper Stammbaum (St. II ) dargestellt. Der Historiograph verweist bereits auf die fehlende Zuverlässigkeit und Vollständigkeit dieser Darstellung.

Am unteren rechten Ast dieses Bildes sind nur 18 Frauenzisterzen angegeben. Hierbei ist zu bedenken, dass vier Klöster in den Niederlanden schon im 16. Jh. aufgehoben und zerstört waren, dennoch am Stammbaum St. II teilweise noch erscheinen. Ferner war die kontinuierliche Paternität des Klosters Kamp in mehreren Fällen nicht gegeben.

Kamper Stammbaum
Oelgemälde von 1728

Auch wenn die große Zahl von 24 Frauenklöstern unter der geistlichen Betreuung durch das Kloster Kamp sich als unzutreffend erweist, so wird im folgenden an der Anzahl und Reihenfolge der Frauenzisterzen nach M. Dicks festgehalten. Dieser Beitrag soll dazu dienen, das Interesse für die Geschichte und die Leistungen der Frauenklöster zu erhalten, Erfahrungen auszutauschen sowie Kontakte und Tradition zu pflegen. Daher wird in den kurzen Lebensläufen auch darauf eingegangen, was mit den Frauenklöstern nach der Aufhebung geschah und was heute noch erhalten ist.

Eine religiöse Erneuerungbewegung im westlichen Europa (Frankreich, Be-Ne-Lux-Länder, Deutschland) ergriff im ausgehenden 12. Jh. vor allem Frauen, die eine Lebensgestaltung unter dem asketischen Ordensideal (radikale Christusnachfolge in Armut, Demut und Ehelosigkeit) suchten. Ein großer Befürworter für das Zusammenleben solcher Frauen in Wohngemeinschaften war Jacob von Vitry ( Bischof von Accon 1180 – 1254). Hier liegt der Anfang der Beginen-Gemeinschaften.

 

Zwar war das erste Frauenkloster mit der Lebensweise der Zisterzienser bereits 1125 in Tart (Frankreich) gegründet worden, doch erreichte die Gründung neuer Zisterzienserinnenklöster in der Mitte des 13. Jahrhunderts den Höhepunkt. Es bleibt ein zeitgeschichtliches Phaenomen, dass am Ende des 13. Jahrhunderts weit mehr Zisterzienserinnenklöster (etwa 300 im deutschen Sprachraum) bestanden, als Männerklöster vorhanden waren. Diese Entwicklung verlief nicht reibungslos, denn zeitweilig verbot der Orden die Aufnahme neuer Frauengemeinschaften.

 

Nicht alle Frauengemeinschaften erreichten den privilegierten Status eines inkorporierten Klosters. Zahlreiche Frauenklöster, die nach den Regeln der Zisterzienser lebten, waren rechtlich dem Orden nicht angegliedert und unterlagen weiterhin der Disziplinargewalt des Ortsbischofs. Ein Beispiel dafür ist das Kloster Helfta, in dem bekannte Frauenpersönlichkeiten der Mystik wie Mechthild von Hackeborn, Gertrud von Helfta und Mechthild von Magdeburg lebten.

 

Viele Gemeinschaften insbesondere in den Städten blieben beim Status der Beginengemeinschaften, die meisten lebten nach der Regel des „Dritten Ordens des Hl. Franziskus“. Hier fanden viele Frauen einen Weg, ihren Besitz behalten zu können und bindende Gelübde nicht ablegen zu müssen.

 

Zwar blieben im Laufe der Jahrhunderte die zisterziensischen Ordensideale der Maßstab für das monastische Leben, doch unterlag das klösterliche Leben der meisten Frauenkonvente einem steten Wechsel zwischen der materiellen Existenzsicherung und der geistigen Ausprägung. Zahlreiche Reformen, die stets auf die Beachtung der strengen Ordensregeln hinwirkten, bringen die ständige Verschiebung der Balance zwischen den materiellen Lebenserfordernissen und dem benediktinischen Grundsatz „Ora et Labora“ zum Ausdruck.

Start in Kloster Kamp

Redakteur: H.Dickmann - Aktualisierung der Site: 18.05.2012